SAP Fiori 3 ist die Design-Sprache, mit der SAP seit 2019 die Bedienung seiner Cloud-Anwendungen einheitlich gestaltet, unabhängig davon, ob es um Finanzprozesse in S/4HANA, Aufgaben in SuccessFactors oder Vertriebsprozesse geht. Statt einzelner, unterschiedlich aussehender Programme finden Anwender:innen überall dieselbe Kopfzeile, dieselbe Navigation und dieselben Bedienelemente wieder. Für Geschäftsführer:innen und IT-Leiter:innen im Mittelstand lohnt sich ein Blick darauf, wie sich diese Design-Sprache seither weiterentwickelt hat: mit dem Horizon-Theme als aktuellem Erscheinungsbild, mit SAP Build Work Zone als modernem Einstiegspunkt und mit dem KI-Copiloten Joule direkt in der Oberfläche.

Auf einen Blick: Was Fiori 3 heute ausmacht
- SAP Fiori 3 ist seit 2019 die Design-Sprache für SAP-Cloud-Anwendungen. Ihr aktuelles visuelles Gesicht heißt Horizon.
- Horizon ist seit rund 2022 produktiv nutzbar (ab SAPUI5 1.102), orientiert sich stärker an Barrierefreiheit nach WCAG 2.2 und bringt eine ruhigere Farbgebung, abgerundete Formen und die neue Schrift SAP 72 Bold mit.
- Cards im Fiori Launchpad zeigen Aufgaben und Kennzahlen direkt auf der Startseite an. In SAP S/4HANA Cloud Public Edition stehen sie über My Home zur Verfügung, etwa als To-dos und Insights Cards.
- Der KI-Copilot Joule, von SAP im September 2023 angekündigt, ist heute in vielen Fiori-Umgebungen verankert, beantwortet Fragen in natürlicher Sprache und verknüpft Daten über mehrere Module hinweg.
- SAP Fiori Elements deckt mit fünf Floorplans (List Report, Object Page, Worklist, Overview Page und Analytical List Page) die meisten Standardanwendungsfälle ohne manuelles UI-Coding ab.
- Ältere Themes wie Belize und Blue Crystal wurden von SAP offiziell zur Entfernung angekündigt beziehungsweise sind in vielen Produkten bereits abgeschaltet.
Fiori 3 und Horizon: die aktuelle Design-Sprache
2019 hat SAP mit Fiori 3 zum bislang letzten Mal einen großen Versionssprung vollzogen: Erstmals bekam nicht nur S/4HANA, sondern das gesamte SAP-Cloud-Portfolio, von SuccessFactors über Ariba bis C/4HANA, dieselbe Design-Sprache. Neu war unter anderem die Shell Bar als durchgängige Kopfzeile über alle Anwendungen sowie das Quartz Light-Theme als neuer visueller Standard. Seitdem spricht SAP nicht mehr von einer nächsten Fiori-Hauptversion, sondern von kontinuierlicher Weiterentwicklung innerhalb von Fiori 3.
Seit 2021 entwickelt SAP diese Design-Sprache mit dem Horizon-Theme weiter, ohne sie erneut umzubenennen. Horizon wurde im November 2021 erstmals als Preview vorgestellt, ab SAPUI5 1.102 rund ein Jahr später für den produktiven Einsatz freigegeben und ist inzwischen Standard in SAP Build Work Zone, im Fiori Launchpad sowie in mobilen Anwendungen. Auch SAP Analytics Cloud hat eigene Horizon-Themes erhalten. Visuell bringt Horizon eine kräftigere, aber ruhigere Farbpalette, abgerundete Formen und die Schrift SAP 72 Bold mit und erfüllt den Barrierefreiheits-Standard WCAG 2.2. Ältere Themes wie Quartz Light und Belize werden von SAP parallel dazu schrittweise abgeschaltet.
Fiori 3 bleibt damit die gültige Design-Sprache, Horizon ist ihr aktuelles Erscheinungsbild.
SAP Fiori Elements: vom Handcoding zum Floorplan
Technisch hat sich in den letzten Jahren mindestens genauso viel getan wie optisch. SAP Fiori Elements deckt Standardszenarien heute über fünf vordefinierte Floorplans ab: der List Report für Listenansichten mit Filter, Suche und Sortierung, die Object Page für die Detailansicht eines Geschäftsobjekts, der Worklist für vereinfachte Aufgabenlisten, die Overview Page als kartenbasiertes Dashboard und die Analytical List Page, die Kennzahlen mit Transaktionsdaten kombiniert. Statt UI-Elemente manuell zu programmieren, beschreiben Entwickler:innen die Anwendung über OData-Metadaten und Annotationen. SAP generiert die Oberfläche daraus automatisch und hält sie damit auch automatisch im Einklang mit den aktuellen Fiori-Design-Richtlinien. Wo Standardfunktionen nicht ausreichen, erlaubt das Flexible Programming Model gezielte Erweiterungen. Für IT-Teams im Mittelstand bedeutet das spürbar weniger Frontend-Aufwand und geringere Wartungskosten gegenüber klassisch selbst entwickelten Oberflächen.
Spaces, Pages und Sections: die Startseite bekommt Struktur
Wo Anwender:innen früher eine lange Reihe frei sortierbarer Kachelgruppen vorfanden, ordnet SAP die Startseite seit 2020 in drei Ebenen. Ein Space bündelt alles, was zu einer Rolle gehört, etwa „Einkauf" oder „Debitorenbuchhaltung", und erscheint als eigener Reiter in der obersten Navigationsleiste. Jeder Space enthält eine oder mehrere Pages, also thematische Seiten wie Bestellanforderungen, Lieferantenpflege oder Auswertungen. Innerhalb einer Page gliedern Sections die Inhalte in beschriftete Abschnitte, die Kacheln und Links aufnehmen. Wer die alte Oberfläche kennt, erkennt in einer Section im Grunde die frühere Gruppe wieder, nur eben eingebettet in eine klare Seitenstruktur statt endlos aneinandergereiht.
Die Aufgabenteilung dahinter ist der eigentliche Gewinn: Spaces und Pages legt die IT zentral fest und weist die Spaces den Business-Rollen zu. Sections sind fester Bestandteil einer Page, lassen sich von Anwender:innen aber zusätzlich selbst anlegen und umsortieren. So bleibt die Grundstruktur unternehmensweit einheitlich, ohne dass individuelle Arbeitsweisen ausgebremst werden. Ergänzt wird das durch My Home als persönlichen Einstiegspunkt, der selbst wieder in Abschnitte gegliedert ist, etwa To-dos, gemerkte Pages, Favoriten-Apps und Insights-Kacheln.
Die alte gruppenbasierte Startseite hat SAP mit S/4HANA Cloud Public Edition 2402 für veraltet erklärt, in On-Premise-Systemen gilt sie seit S/4HANA 2021 als deprecated. Neu bereitgestellte Cloud-Systeme kennen den Gruppenmodus gar nicht mehr. Wer noch mit Gruppen arbeitet, muss den Wechsel aktiv anstoßen; automatisch passiert er nicht.
Cards im Fiori Launchpad: Prozessstand auf einen Blick
Neben klassischen Kacheln kann das Fiori Launchpad inzwischen auch Cards darstellen. Eine Card ist ein kompakter, interaktiver Informationsblock: Sie verweist nicht nur auf eine App, sondern zeigt bereits Inhalte an, zum Beispiel offene Aufgaben, eine Kennzahl oder eine kurze Liste. Anwender:innen sehen so auf der Startseite, wo etwas ansteht, und springen bei Bedarf direkt in die passende App.
In SAP S/4HANA Cloud Public Edition finden Sie Cards auf My Home. Dort erscheinen To-dos als Cards, außerdem lassen sich Insights Cards einblenden, die auf Overview Pages oder auf Apps vom Typ List Report basieren (bis zu zehn Stück). Für einzelne Kennzahlen gibt es ergänzend Insights-Kacheln. Aktiviert wird die Funktion durch Key User; am besten wirkt sie im Horizon-Theme.
Der praktische Nutzen: Fachanwender:innen müssen für den ersten Überblick nicht mehr mehrere Apps öffnen. Der Prozessstand, offene Genehmigungen und zentrale Zahlen liegen gebündelt an einer Stelle und fügen sich in die Struktur aus Spaces, Pages und Sections ein.

Weiterführende Informationen zu Fiori finden Sie hier, insb. das Video „From SAP Fiori 1.0 to SAP Fiori 2.0 to SAP Fiori 3„:
- https://learning.sap.com/courses/learning-the-basics-of-sap-fiori/using-sap-fiori-launchpad_a9103226-f903-4afb-b471-c07be29c59e3
- https://learning.sap.com/courses/learning-the-basics-of-sap-fiori/introducing-sap-fiori_c3915ced-ffd1-4127-a822-e217ff45fd72
Dazu kommt Joule: Der generative KI-Copilot wurde im September 2023 angekündigt, ist heute unter anderem in SAP Start und im Fiori-Umfeld verfügbar und deckt Anwendungsfälle von HR über Finance bis Supply Chain, Beschaffung und Customer Experience ab. Anwender:innen stellen Fragen in natürlicher Sprache, Joule verknüpft dafür Daten aus mehreren SAP-Modulen und liefert kontextualisierte Antworten statt einzelner Kennzahlen, etwa eine Verkaufsanalyse mit direktem Bezug zur Lieferkette.
Was Unternehmen beachten müssen
So viel Fortschritt bedeutet nicht, dass SAP GUI verschwunden wäre. Wer SAP S/4HANA on-premise oder in der Private Cloud betreibt, kann weiterhin zwischen SAP GUI und Fiori wählen. In der Public Cloud steht ausschließlich Fiori zur Verfügung. SAP hat sich bis heute nicht auf ein Enddatum für SAP GUI festgelegt. Gerade in dichten, tastaturgesteuerten Prozessen wie dem Finanzabschluss arbeiten Power-User häufig weiterhin in GUI, während Fiori bei Approvals, Self-Service und Analytics klar im Vorteil ist. Für diese Kunden bedeutet das in der Praxis: Eine reine Fiori-Strategie ist selten realistisch, ein durchdachtes Nebeneinander aus GUI und Fiori dagegen schon.
- Wer noch mit Belize oder Quartz Light arbeitet, sollte den Umstieg auf Horizon aktiv einplanen, statt auf eine automatische Migration zu warten, denn ältere Themes werden von SAP nach und nach abgeschaltet.
- Der Wechsel von einem klassischen Fiori Launchpad zu SAP Build Work Zone ist kein Software-Update, sondern ein Neuaufbau, der Zeit und ein sauberes Rollen- und Berechtigungskonzept braucht.
- Vor der Aktivierung von Joule lohnt sich ein Blick auf Datenzugriffsrechte und Rollenkonzepte, da der Copilot modulübergreifend auf Informationen zugreift.












